Drei Schülerinnen aus Ägypten haben es geschafft: Sie wurden für das renommierte DAAD-/SFSD-Stipendium für herausragende Absolvent/inn/en deutscher Auslandsschulen ausgewählt und setzten sich gegenüber 110 anderen Bewerber/innen weltweit durch.

Der Bewerbungsprozess startete bereits im Januar, als die Schulleiter/innen der vier anerkannten Deutschen Auslandsschulen in Ägypten ihre besten Absolvent/inn/en für das Stipendium nominierten. Es folgte ein aufwändiges Auswahlverfahren in zwei Schritten: Zunächst erstellte ein regionales Auswahlkomitee auf Grundlage der Bewerbungsunterlagen eine Rangliste aller 17 nominierten Bewerber/innen. Anschließend traten die besten Kandidat/inn/en bei der Endauswahl in Bonn mit den vorgeschlagenen Absolvent/inn/en aller deutschen Auslandsschulen weltweit in Konkurrenz. Schlussendlich wurden drei ägyptische Bewerberinnen für das Stipendium ausgewählt: Sara Eltahawi, Nada Nasri, Jana Farag.

Die Stipendiatinnen stellen sich vor:

Sara Eltahawi

  • Schule: Deutsche Schule der Borromäerinnen Kairo (DSBK)
  • Geplantes Studienfach und geplante Universität: Physik an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
  • Ich möchte in Deutschland studieren, weil ich der festen Überzeugung bin, dass mir sowohl die Universität als auch die deutsche Gesellschaft ein geeignetes Umfeld schaffen werden, um mein volles Potenzial ausschöpfen zu können, sei es auf akademischer oder sozialer Ebene.

Für mich stellt das Studium in Deutschland eine offene Tür dar, durch die ich meine Interessen und meine Persönlichkeit zu entfalten erhoffe und durch die ich stets nach meiner eigenen Verbesserung streben werde. Seitdem ich mich zu Beginn meiner Schulzeit in das deutsche Schulsystem integrierte, träumte ich von einer Gesellschaft, in der Unterschiede geschätzt, Meinungsfreiheit gewährt und Religionsfreiheit gestattet werden. Dies erwarte ich durch mein Studium in Deutschland, auch wenn ich dafür meine Wohlfühlzone verlassen werden muss, denn nur dadurch kann ich mich selber mit Herausforderungen konfrontieren und mich charakterlich weiterentwickeln. Zu diesen Hindernissen zählt zunächst die niedrige Frauenquote in meinem angestrebten Fachbereich, Physik; doch erkenne ich dies als eine weitere Möglichkeit, meine sozialen Kompetenzen zu fördern, da ich bisher eine Mädchenschule besuchte. In der Schule lernten wir vieles über die Emanzipation der Frau in einem Land, wo man als Frau nicht immer zu Wort kommt. Dies spornt mich vehement an, eine wichtige Position in einem von Männern dominierten Feld zu erlangen, um ein Vorbild für alle Frauen zu sein, die wegen einer patriarchalen Gesellschaft übersehen werden.

Als ich mich für das DAAD-Stipendium beworben habe, dämmerte es mir, welch einen schwerwiegenden Schritt ich nahm. Vom DAAD mache ich mich nämlich nicht nur auf eine bloße finanzielle Förderung gefasst, sondern für mich stellt es viel eher eine Gelegenheit dar, meine ägyptische (zum Teil durch mein Schulsystem verdeutschte) Identität in Deutschland vertreten zu können, um zukünftig sowohl der ägyptischen als auch der deutschen Gesellschaft nützlich zu sein.

Des Weiteren erkenne ich als Bürgerin eines sogenannten Entwicklungslandes sowie als überzeugte politische Umweltaktivistin nämlich meine Pflicht, meinem Heimatland (und der Welt) zukünftig und vor allem durch die Entwicklung erneuerbarer Energien dienlich zu sein.
Mir lässt dieses Stipendium eine freie Hand, meine Neugierde und Wissbegierde zu fördern, und es ermöglicht mir, die Regeln des Universums weiterhin in Frage stellen zu können und manche offen gebliebenen Fragen durch mein Physikstudium auch beantworten zu können.
Es würde durchaus wie eine törichte Hoffnung klingen, zu beteuern, dass ich die Welt umwälzen möchte, denn letztendlich sind die Kräfte eines Individuums tatsächlich begrenzt. Jedoch nehme ich es mir vor, mehrere Veränderungen herbeizuführen, selbst wenn diese im Gesamtbild der Welt unbeachtet verweilen. Und der erste, gewichtige Schritt dafür ist zurzeit das Aufnehmen meines Physikstudiums.

Nada Nasri

  • Schule: Deutsche Evangelische Oberschule Kairo (DEO)
  • Geplanter Studienort und Studiengang: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Studiengang s. u.)
  • Ich möchte in Deutschland studieren, weil es eines der führenden Länder in Humanmedizin und Medizinforschung ist. Vor allem die Möglichkeit, an Forschungsprojekten in diversen Forschungsinstituten teilnehmen zu können, ist für mich von großer Bedeutung. Mein Studium in Deutschland mit seinem vorbildlichen Gesundheitssystem ist Voraussetzung, damit ich Teil einer grundlegenden Entwicklung und Verbesserung der ägyptischen Gesundheitsversorgung werden kann.

Monatelange Quarantäne mit minimalem Kontakt zu anderen Menschen, steigende Arbeitslosigkeit, verstopfte Krankenhäuser....Eine Pandemie, die das „normale Leben“ in der ganzen Welt zum Stoppen zwingt. Monate früher hätte sich das nach dystopischen Szenen eines erdachten Filmszenarios angehört. Jedoch weiß jeder von uns, dass das eine derzeit erlebte Gegenwart ist... Während Corona stecken viele in der Bredouille.   

Zwar hast du meine wichtigsten Erinnerungen während der letzten Schulwochen verdorben und unsere Abifeier zunichte gemacht, LiEBeR ViRuS, allerdings hast du mich aufgemuntert, meinen erwünschten Studiengang motiviert zu starten ... falls das Studium überhaupt anfangen wird!

Yup, richtig geraten, du listiger Virus! Ein Medizinstudium ist für mich der optimale Studiengang, weil er die den Menschen zugewandte, praktische Arbeit und die theorieorientierte Forschung verbindet. In unserer globalisierten, vernetzten Welt werden, neben vielen anderen zu lösenden Problemen, Fragen des Schutzes vor Pandemien, die Suche nach neuen Heilmethoden und Medikamenten für die Weltbevölkerung eine der drängendsten weltweiten Herausforderungen sein. Das erleben wir ja aktuell wegen dir! Ich möchte gerne deshalb mithilfe meines Studiums die Auswirkungen neuer Krankheiten auf den Grund gehen und daran mitwirken, neue Therapiestrategien einzusetzen.

Immer wieder erschüttert und empört es mich gleichermaßen erleben zu müssen, wie vielen Patienten ihr Grundrecht auf eine würdige Gesundheitsversorgung aufgrund ihres vermeintlich geringeren sozialen Status in der ägyptischen Gesellschaft verweigert wird. Ich möchte in meinem späteren Berufsleben vor allem diesen Menschen behilflich sein. Außerdem träume ich davon, die medizinische und wissenschaftliche Forschung in Ägypten mit meiner Arbeit zu fördern.

Dieses Stipendium ermöglicht es mir, mein Studium in dem Wohlfahrtsstaat Deutschland, eines der in der Humanmedizin und Medizinforschung führenden europäischen Länder, zu absolvieren. In der Reihe renommierter deutscher Ausbildungseinrichtungen sticht die Universität Heidelberg heraus, die viele Möglichkeiten zur Teilnahme an universitären und außeruniversitären Forschungsprojekte anbietet. Deshalb ist sie mein erwünschter Studienort. Dieses Stipendium ist nicht nur meine Chance, eine herausragende Ausbildung zu bekommen und später in internationalen medizinischen Teams an internationalen Brennpunkten zu arbeiten. Das Studentenleben und die interkulturelle Begegnung mit vielen Menschen sind andere Aspekte, auf die ich mich auch sehr freue. Ich stelle mir vor, ein eigenständiges Leben fern von meiner Familie und meiner Heimat zu führen, kann am Anfang anspruchsvoll sein. Jedoch bin ich sehr gespannt und hoffe, dass ich viele neue lebenslange Freundschaften schließe!

Lieber COVID-19,

solange es viele Wissenschaftler und Ärzte gibt, die an der Entwicklung neuer Therapiemethoden und an der Erforschung von Krankheitserregern arbeiten und solange neue Generationen sich daran interessieren, Teil dieses internationalen medizinischen Teams zu werden, versichere ich dir, dass Viren deiner Art eher als eine anspruchsvolle Übung betrachtet werden und nicht als eine tödliche, unheilbare Gefahr. Bye bye Corona!

 

Jana Farag

  • Schule:Deutsche Schule der Borromäerinnen Kairo (DSBK)
  • Geplantes Studienfach und geplante Universität: Medizinische Informatik an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Hochschule Heilbronn
  • Ich möchte in Deutschland studieren, weil das Land mir die Möglichkeit gibt, meine Interessengebiete in einem sehr guten Studium zu kombinieren, mich selber beruflich zu entfalten, als Person zu wachsen und wichtige Erfahrungen im Studium und im Alltagsleben zu machen.

 

Schon von meiner frühen Kindheit an habe ich immer davon geträumt ein Superheld zu sein. Ich fühlte mich immer sehr angezogen von diesem Gedanken, fremden Mitmenschen zu helfen und vielleicht sogar zu retten. Als ich dann älter wurde, realisierte ich, dass Superhelden in verschiedenen Formen auftreten, denn jeder in der Gesellschaft hilft mit seiner Arbeit einem anderen Menschen und ist sozusagen deren Held. Es gibt zahlreiche Arten, mit denen man Menschen helfen kann, egal, was man beruflich wird. In unserem Zeitalter glaube ich fest daran, dass die Technologie unsere Zukunft ist.

Man kann sich bei jeder Erfindung dazu entscheiden, es für Gutes oder für Schlechtes zu nutzen und es wird immer Menschen geben, die moderne Technologie missbrauchen. Genau aus diesem Grund finde ich es besonders wichtig, sich in diesem Feld aktiv dafür einzusetzen ein Teil von den unendlichen Innovationen zu sein, die das Leben für jeden von uns erleichtern können, Geräte zu programmieren, die möglicherweise Menschenleben retten können oder Daten von kranken Menschen besser zu verarbeiten, um schneller Medikamente zu finden. Mich faszinierten, besonders nach meiner Teilnahme am Wettbewerb Jugend forscht, die vielen Möglichkeiten, die es gibt, um der Menschheit mit modernen Erfindungen zu helfen. Später möchte ich mit meinem erworbenen Wissen hoffentlich auch in meinem Heimatland ein Unterschied im Gesundheitssystem bewirken, denn besonders jetzt zu den Zeiten des Coronavirus hat sich dies als sehr wichtig erwiesen.

Genau um diesem Ziel näherzukommen, habe ich mich dazu entschieden, mich für dieses Stipendium zu bewerben. Ich bin sehr dankbar und freue mich deshalb sehr über diese Chance, die mir gegeben wurde und ich möchte sie auf jeden Fall nutzen, um meinem Ziel, durch mein Studium von „Medizinischer Informatik“ ein paar Schritte näherzukommen.

Natürlich habe ich Angst vor normalen alltäglichen Herausforderungen, die man erlebt, wenn man auf einmal alleine lebt und, wenn man die persönliche Unterstützung seiner Familie nicht mehr so nah spüren kann, aber ich freue mich schon darauf, mein Wunschstudienfach zu studieren und mich in Deutschland jedem Meilenstein zu stellen, diesen zu überwinden und dadurch als unabhängige Person zu wachsen.

 

Das Stipendienprogramm wird mit Mitteln des Auswärtigen Amts finanziert und deckt die kompletten Kosten für ein Bachelor-Studium bzw. einen Staatsexamens-Studiengang an einer deutschen Universität ab. Ggfs. kann die Förderung ebenfalls auf einen anschließenden Master-Studiengang ausgeweitet werden.

Das Stipendienprogramm für Deutsche Auslandsschulen in Ägypten zeichnet sich durch eine Besonderheit und ein Alleinstellungsmerkmal aus: Seit einigen Jahren besteht eine Kooperation des DAAD mit der „Sawiris Foundation for Social Development“ (SFSD). Diese ägyptische Organisation übernimmt in jedem Jahr die Förderung für ein bis drei Stipendiat/inn/en, die im Rahmen des DAAD-Verfahrens ausgewählt werden. In diesem Jahr übernimmt SFSD die Förderung für Jana Farag.

Aufgrund der COVID-19-Pandemie kann in diesem Jahr keine Verleihungszeremonie für die Stipendiatinnen stattfinden. Wir hoffen dennoch, dass die drei Ägypterinnen mit Beginn des Wintersemesters im Oktober 2020 mit ihrem Studium in Deutschland beginnen können.

Das gesamte Team der DAAD-Außenstelle Kairo wünscht den diesjährigen Stipendiatinnen alles Gute und viel Erfolg für ihre akademische Ausbildung und ihr Studium in Deutschland!

Autorin: Ann-Kathrin Schwarz